Das Wien - E-Book

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DAS WIEN AKTUELL 12 I ch möchte mich kurz vorstel- len – ich bin künftig einer der kritischen Kommentatoren der auflagenstarken, parteifreien und gern gelesenen unabhängigen Gratis-Monatszeitung „DAS WIEN“! Und ich werde gewisse Dinge auf den Punkt bringen, offensichtliche Mängel aufzeigen und Vorgänge anprangern, die in unserer schö- nen Stadt Wien passieren. Ich bin nicht nur Gastschreiber dieses inte- ressanten Printmediums, sondern Stimme der Leserinnen und Leser und natürlich auch für entspre- chende Anregungen stets dankbar. Und leider liefern – praktischTag für Tag – Geschehnisse in der Politik, Wirtschaft, Kultur und in anderen Gesellschaftsbereichen genügend Zündstoff für meine Beiträge. Mit anderenWorten – die Themen wer- denmir nicht ausgehen. Blicken wir vorerst einmal ins Parla- ment. Dort bereitet die türkis-blaue Regierung einneues Arbeitszeitmo- dell vor. Es gibt dafür Pro- und Kon- trastimmen mit nachvollziehbaren Argumenten. Jahrelang hat sich allerdings auf dem Arbeitsmarkt nichts geändert, eine Modernisie- rung des Arbeitsrechtes war längst überfällig. Von zeitgemäßen Regeln können Unternehmer und Beschäf- tigte profitieren, in vielen Bereichen der Arbeitswelt gilt das schon als völlig normal. Und schon malen – reflexartig – die Bundesroten, die Arbeiterkammer-Funktionäre und die Gewerkschaft den Teufel an die berühmte Wand. Freilich hätte die Regierung diese Reform zunächst mit den Sozialpartnern durchkauen können. Vermutlich aber ohne Er- folg. Und jetzt drohen die Gewerk- schaften mit Kampfmaßnahmen. KeinWunder, laufen demÖGB doch die Mitglieder davon. Der einst mächtige Apparat, der in der Ver- gangenheit zweifellos viel für dieAr- beiter geleistet hat, schrumpft und braucht dringend Aufmerksamkeit. Der neueÖGB-ChefWolfgangKatzi- an – ein echter Generationswechsel an der Spitze der Organisation sieht anders aus, als von einem 62-Jäh- rigen zu einem 61-Jährigen – sieht schon den Zwölf-Stunden-Tag als Normalität. Die Gewerkschaft, man denke an die Betonierer bei den Beamten und den Verhinderern bei den Lehrern, ist dabei, ihre Glaub- würdigkeit zu verspielen. Und die Arbeiterkammer? Bei allen Ver- diensten dieser Organisation bleibt sie eine Pflichtmitgliedschafts- Zwangsabgaben-Vereinigung und nach wie vor ein Privilegien-Para- dies mit fetten Zusatzpensionen für gewisse Funktionäre. Freilich ist dieWirtschaftskammer als Zwangs- mitgliedsverein nicht viel besser. Im Gegenteil. Nicht selten „schießen“ ausgerechnet Wirtschaftskammer- funktionäre (etliche ebenfalls mit WK-Zusatzpensionen) gegen eige- ne Unternehmen. Bei der Industriel- lenvereinigung gibt es zwar keinen Zwang, aber Insider sprechen von einer „gewissen Abgehobenheit“ mancher IV-Vertreter. „Wir sind kei- ne Hosenscheißer“, meinte Katzian kämpferisch. Das hat niemand be- hauptet. Aber immer mehr Arbeit- nehmer stellen sich die Frage nach dem eigentlichen Sinn des ÖGB im 21. Jahrhundert und in der Zeit der Digitalisierung. Criticus Keine Hosen- scheißer? Gute Zeitung... Ihre Zeitung ist sehr gut gemacht, wäre aber vielleicht noch verbes- serbar, wenn Sie in einemgewissen Gegensatz zu den sonstigen Zei- tungen die Wortwahl verschärfen würden.Was meine ich: es ist üblich geworden, Haustiere ‚einschläfern‘ zu lassen, gemeint ist wohl unbe- stritten ‚töten‘ zu lassen. Es ist üblich, von ‚Militärschlägen‘ zu sprechen, gemeint ist unschul- dige Menschen töten zu lassen, seien es Zivilisten, Männer, Frauen, Kinder, und zwar ohne gerichtliche Verurteilung. Wieso unschuldig? Die Schuldigen, selbst jeweils aus der Sicht der Gegenpartei, können ja nur die Machthaber sein, nicht die bei diesen Operationen Getö- teten. Bei Interviews stellen Sie begrü- ßenswert klar fest, dass Sie nur die Ansicht des Interviewten widerge- ben. Dipl.Ing. Mag. Kuno Skach, Veletaweg, Wien Wie ein Krimi Gratulation! Das liest sich ja wie ein Krimi! Zuerst findet in der Zei- tung „Das Wien“ der britische Bot- schafter nach dem Giftanschlag auf einen Ex-Spion in Großbritan- nien klare Wort Richtung Russland – und eine Ausgabe später erhält auch der russische Botschafter die Möglichkeit, auf diese Vorwürfe zu reagieren. Beide Interviews wa- ren spannend zu lesen. Ich denke, dass meine Gratis-Monatszeitung weiterhin Wiener Botschafter der verschiedenen Länder vor den Vorhang holt. Schließlich hat jedes Land seine Geschichte und auch aktuelle Ereignisse können aus ei- ner bestimmten Sicht ganz anders beschrieben werden. Peter P. ,Wien D. Meyer muss gehen Das Interview mit Staatsopern- direktor Dominique Meyer in der letzten Ausgabe war spannen- de wie eine gut inszenierte Oper. Auch ich bin der Meinung, dass die klassische Musik noch lange nicht „aussterben“ wird. Meyer steht für einen Opernexperten der Extra- klasse. Kaum zu glauben, dass man so einen Fachmann einfach ziehen lässt. Aber immer wenn die Politik im Spiel ist, kann man gewisse Ent- scheidungen kaumnachvollziehen. Auch Mitglieder der Staatsoper lo- ben die Beziehung zu ihrem Chef und bedauern dessen Abgang im Jahre 2020. Jemand, der„immer nur Musik im Kopf hat“, ist für das erste Haus amRing eigentlich einGlücks- fall. Sein bereits gekürter Nachfol- ger Bogdan Roscic wird aufgrund seiner beruflichen Erfahrung sicher eine ganz andere Art der Führung einschlagen. Das kann auch span- nend werden. Aber D. Meyer muss eben gehen… Walter R.,Wien H inter vorgehaltener Hand wird in Wien getuschelt – angeblich stehen doch Neuwahlen ins Haus. Der Unsi- cherheitsfaktor im Rathaus sei die grüne Partei, die sich demnächst in die Luft sprengen könnte, heißt es. Und immer wieder wird darauf hingewiesen, dass Vizebürgermeis- terin Maria Vassilakou, die zuletzt mit ihrer Forderung nach der City- Maut eine Abfuhr erlitten hat, von ihren Parteikollegen in die Wüste geschickt werden könnte. Ande- rerseits hielt sich die gebürtige Griechin bisher recht wacker. Sie überstand so manch Ungemach wie die Diskussion um das Hoch- hausprojekt am Heumarkt, die letzte Personaldebatte oder ihre verführte Rückzugsankündigung bei einem möglichen Wahlverlust. Die seit 2010 in der Stadtregierung vertretende und nicht unsympa- thische Politikerin kennt alle politi- schen Tricks, die ihr ein Überleben im Rathaus sichern. Und schließlich könnten die Grünen bei so einem Schachzug selbst aus der Stadtre- gierung fliegen. Eine andere Form der Koalition wäre die logische Fol- ge. Es geht also um, das„Neuwahl- Gespenst“. Schon jetzt rüsten die Parteien für den „Ernstfall“, auch wenn niemand laut das Wort„Neu- wahl“ in den Mund nimmt. Im Ge- genteil – SP-Stadträtin Sima glaubt nicht an einen vorgezogenen Ur- nengang. Andere Stadtpolitiker zeigen sich ebenfalls unaufgeregt. Für die Vertreter der großen Par- teien käme eine vorgezogene Volksentscheidung wohl auch zu früh. Bürgermeister Ludwig will sich noch als Stadtvater präsentie- ren, Minister Blümel und Klubchef Gudenus feilen an ihrem Bekannt- heitsgrad. Und bei den Grünen? Da müsste ein neuer Spitzenkandidat gefunden werden, der wie in Inns- bruck die Menschen begeistert. Ein GeorgWilli fürWien ist aber nicht in Sicht. Deshalb dürfte das„Neuwahl- Gespenst“ noch lange herumgeis- tern. Bis zum regulären Plebiszit. Das Gespenst…. Im Zeitraffer von Harald Raffer Leserbriefe Senden Sie uns Ihre Meinung zu aktuellen Themen mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse an office@das-wien.at Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. 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