Das Wien - E-Book der aktuellen Ausgabe

DAS WIEN KULTUR 9 3 50 Vorstellungen pro Spiel- saison stehen auf dem ab- wechslungsreichen Spielplan – davon 60 verschiedene Opern und Ballettvorführungen mit internationalen Stars. Über 600.000 Gäste besuchen diese Aufführungen im prunkvollen Neorenaissance-Gebäude mit 1709 Sitz- und 567 Stehplätzen. Neun Premieren pro Spielzeit finden sich ebenfalls im „ersten Haus am Ring“. Seit 2010 leitet Direktor Dominique Meyer (62) die Wiener Staatsoper. Und das mit viel „Herzblut“. Harald Raf- fer sprach mit dem gebürtigen Franzosen über Oper, Preise und klassische Musik. 2020 muss Meyer allerdings „seine“ gelieb- te Staatsoper verlassen. Das Wien: Welche Aufgaben hat eigentlich ein Direktor der Wiener Staatsoper? Meyer: Zunächst – er muss at- traktive Spielpläne vorbereiten und ein Unternehmen leiten mit einer Aufgabe, die weit über das Alltägliche hinaus geht. Die Staatsoper ist ja zweifellos enorm wichtig für den Ruf die- ser Stadt – national und interna- tional. Das Haus gehört zu der kleinen Gruppe der führenden Opernhäuser der Welt! Die Oper ist eine Attraktion für dasWiener Publikum. Dazu empfangen wir jährlich rund 200.000 Gäste aus dem Ausland, die ihre Karten vorher buchen und hier nächti- gen. Die Oper ist also auch ein enormer Impulsgeber für Tou- rismus undWirtschaft. Das Wien: Hat die klassische Oper noch eine Zukunft? Und ist Ihr Haus meist nur den so ge- nannten Eliten vorbehalten? Meyer: Natürlich hat die klas- sische Musik eine großartige Zukunft mit einem interessier- ten Publikum. Wir verzeichnen jedes Jahr Rekorde bei den Ein- nahmen. Das Haus ist grund- sätzlich immer fast zur Gänze ausgelastet. Dadurch, dass die musikalischen Institutionen von Wien vieles für die Kinder ma- chen, besteht bei der Jugend ein großes Interesse an der Musik. Ich denke an die Kinder- oper, die Opernschule und Bal- lettakademie. Natürlich könnte man behaupten, dass die Oper nur für eine gewisse Elite spielt, aber in Wien ist das ganz sicher nicht der Fall. Wir haben im Haus die schöne Tradition von den Stehplätzen, es werden also täglich 580 günstige Karten zur Verfügung gestellt. Wenn einer behauptet, dass der Preis eine unüberwindbare Grenze dar- stellt, klingt das wie ein Witz. Man kann nämlich jeden Tag eine Karte für drei oder vier Euro erhalten. Das Wien: Wie hoch ist Ihr Bud- get? Meyer: Unser Budget umfasst rund 115 Millionen Euro. Die Hälfte wird vom Staat über- nommen, die zweite Hälfte vom Haus erarbeitet. Als ich an dieses Haus kam, betrugen die Kartenerlöse 28 Millionen Euro pro Jahr, im letzten Jahr waren es 35,5 Millionen Euro. Dazu kommen entsprechende Erlöse durch den Opernball, Vermie- tungen, Koproduktionen, Spon- sering usw. Das Wien: Im nächsten Jahr sol- len die Tickets erhöht werden… Meyer: Stimmt – es wird eine Inflationsanpassung vorgenom- men. 75 Prozent unserer Aus- gaben umfassen die Gehälter. „Ich habe immer nur die Musik im Kopf!“ „DasWien“- Interviewmit Staatsopern-Direktor Dominique Meyer. Der Franzose liebt seine Mitarbeiter, sein Publikum und das Haus am Ring. Staatsopern-Chef Dominique Meyer in seinem Büro am Ring. Meyers Vertrag läuft 2020 aus. Zu den 950 Mitarbeitern zählen 220 Sänger (60 Ensemblemitglieder), 30 Dirigenten und 100 Tänzer des Wiener Staatsballetts. Durchschnittliche Einnahmen pro Vorstellung: 122.000 Euro. Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn Die klassische Musik hat noch eine großartige Zukunft. Dominique Meyer

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