Das Wien - E-Book der aktuellen Ausgabe

DAS WIEN POLITIK 5 D er russische Botschafter Dmitrij Ljubinskij spricht von gezielter antirussi- scher Propaganda in vielen west- lichen Medien, lobt die gute Zu- sammenarbeit mit Österreich, ortet schamlose, unhaltbare Vor- würfe aus Großbritannien und sieht in Wien einen verlässlichen Partner seines Heimatlandes. Ein Gespräch über aktuelle Gescheh- nisse mit politischen und wirt- schaftlichen Hintergründen. DasWien: Wie lange sind Sie schon russischer Botschafter in Wien und was gefällt Ihnen an der österreichi- schen Bundeshauptstadt? Dmitrij Ljubinskij: Ich bin seit August 2015 Botschafter in Wien und diese schöne Stadt ist nicht neu für mich. Vor mehr als zehn Jahren war ich schon Gesandter in unserer diplomatischen Missi- on in Österreich. Wiens Reichtum sind vor allem die Menschen. Das Wien: Haben Sie das Gefühl, dass westliche Medien oftmals be- wusst einseitig über Russland be- richten? Und wenn ja, warum? Ljubinskij: Es ist eigentlich kein Gefühl, sondern ein von unzähli- gen Fakten mehrmals bestätigtes Wissen. Eine antirussische Propa- gandakampagne wird in vielen westlichen Medien gezielt und konsequent gut finanziert durch- geführt. So etwas wird heutzuta- ge als «strategische Kommunika- tion» getarnt. Das Wichtigste ist sich daran zu erinnern, dass Russ- land nicht das eigentliche Objekt dieser Kampagne ist. Es sind die Medienkonsumenten hier, EU- Bürger, die man versucht zu ma- nipulieren und zu beeinflussen. Warum das gemacht wird? An- scheinend weil es einflussreiche Kräfte gibt, die von einer mög- lichen Annäherung der EU und Russlands nicht begeistert sind. Das Wien: Österreich übernimmt den EU-Ratsvorsitz. Was erwarten Sie sich davon? Werden die EU- Sanktionen wegen der Krim-Anne- xion gegen die Russische Föderati- on gelockert – und bestehen diese zu Recht? Ljubinskij: Wenn Österreich es schafft seinen pragmatisch-neut- ralen und verantwortungsvollen Ansatz in Bezug auf verschiedene wichtige internationale Fragen anderen EU-Mitgliedern näher zu bringen, würden wir es begrüs- sen. Es war übrigens der Vorsitz Wiens als Brüssel und Moskau 2006 das bahnbrechende Visa- erleichterungsabkommen nach mehrjährigen Verhandlungen unterzeichnet haben. Das war ein Meilenstein. Was die Sanktionen angeht, so gewinne ich immer stärker den Eindruck, dass viele Menschen in Österreich mit den niemand nut- zenden Sanktionen und Gegen- sanktionen immer unglücklicher werden. Fragen nach den Sankti- onen werden mir immer öfter ge- stellt. Von Journalisten, Politikern und am meisten von Unterneh- mern. Ich bestätige stets, dass un- ser Land zu derWiederherstellung einer vollwertigen Zusammenar- beit mit der EU und den einzelnen EU-Staaten bereit ist. Wir sind of- fen. Der Ball liegt nicht bei uns. Das Wien: Österreich ist mit Un- ternehmens-Flaggschiffen wie der OMV, der Strabag, Kontany, Petro Welt, Raiffeisen, anderen Banken usw. mit der russischen Wirtschaft verknüpft. Wie kann die wirtschaft- liche Zusammenarbeit trotz Sankti- onen funktionieren? Ljubinskij: Immer mehr öster- reichische Unternehmen ent- scheiden sich, eigene oder ge- meinsame Produktionsstätten in Russland zu eröffnen. Die Eurasi- sche Wirtschaftsunion bietet EU- Produzenten gute Möglichkeiten in neue Länder zu expandieren. Russland ist an Investitionen und Technologien interessiert und wir bemühen uns passende Be- dingungen für den Markteintritt neuer Firmen zu schaffen. Wir in Russland wissen alte Freunde und Geschäftspartner zu schätzen. Das ist ein Teil unserer Kultur. Als Ergebnis steigen die Investitionen in beide Richtungen. Das Wien: Der Fall des Ex-Spions Sergej Skripal, auf den in Salisbu- ry ein Anschlag verübt worden ist, schlägt noch hohe Wellen. Groß- britannien behauptet, die Russen „Wir erwarten von Großbritannien zumindest eine Entschuldigung!“ „Das Wien“- Interview mit dem russischen Botschafter Dmitrij Ljubinskij. Er weist alle Anschuldigungen in der Affäre Skripal scharf zurück. Seit August 2015 russischer Botschafter inWien: Dmitrij Ljubinskij. Der erfahrene Spitzendiplomat streut unserem Land Rosen: „Österreich ist ein verlässlicher Partner!“ Fotos: Richard Pobaschnig Wir wissen alte Freund und Geschäftspartner zu schätzen! Dmitrij Ljubinskij

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