Das Wien - E-Book der aktuellen Ausgabe

DAS WIEN AKTUELL 12 D er dunkle Anzug sitzt per- fekt. Die gestreifte Krawatte auch. Weißes Stecktuch, große Brille. Der Vizekanzler, Jahrgang 1969, wirkt auf einer blauen Couch in seinem Büro recht lo- cker, eine „lästige“ Verkühlung merkt man noch. Auf dem Tisch auch ein Packerl Zigaretten. An der Wand die EU-Fahne und die rot-weiß-rote österreichische Flagge. Es geht um bekannte und neue Themen, um ein um- fangreiches Interview mit dem FP-Chef. Harald Raffer spricht mit Heinz-Christian Strache über das Rauchverbot, Kanzler Kurz, Putin, Trump, mögliche Umfärbe-Aktionen, den Wiener Gemeinderatswahlkampf, den Abbau von Beamten, den Euro- fighter, seine Mutter und seine weitere Zukunft. Herr Vizekanzler, haben Sie sich mittlerweile schon an diese Anrede gewöhnt? Und haben Sie noch Zeit für private Dinge? Vizenkanzler H. C. Strache: Ja – ich war jetzt 13 Jahre lang als Op- positionschef tätig und habe im Parlament gute Vorschläge einge- bracht und musste erleben, dass die oftmals abgelehnt worden sind. Jetzt bin ich aufgrund der starken Unterstützung der Öster- reicher in eine Position der Stärke gekommen, in der ich die Mög- lichkeit besitze in Regierungsver- handlungen unsere freiheitliche Handschrift durchzusetzen. Das ist also keine Frage des Titels, sondern der geänderten Möglich- keiten. Allerdings hatte ich schon zuvor als Oppositionspolitiker ei- nen hohen Bekanntheitsgrad. Das hat mich aber nicht gestört, weil ichmich nie hinter einem Schreib- tisch versteckt habe, sondern lie- ber draußen bei den Menschen und mit Problemen des Alltages hautnah konfrontiert war. Aber davon lebt ja meine Arbeit – und ich mache meine Tätigkeit aus Lei- denschaft und mit Herz. Wenn ich wirklich ganz privat sein will, blei- be ich zu Hause. Da kann ich mich mit der Familie entspannen. Zum Dauerthema „Rauchverbot“… Strache: Zur Vorgeschichte – vor etlichen Jahren gab es zu diesem Thema ein gutes Gesetz. Das hat für geschützte Nichtraucherberei- che in der Gastronomie gesorgt. Deshalb haben viele Gastrono- men für abgetrennte Bereiche zigtausende Euro investiert. Die Gastronomen haben sich auf diese Rechtssicherheit verlassen. Dann ist man hergegangen und hat 2015 das totale Rauchverbot einführen wollen, sich aber zu- nächst nicht getraut. Damals ha- ben 500.000 Österreicher gegen das totale Rauchverbot in der Gastronomie unterschrieben. Die- se Petition wurde dem damaligen Vizekanzler Mitterlehner überge- ben. Dann wurden 500.000 Unter- schriften einfach weggeschmis- sen und still entsorgt. Das war nicht korrekt! Wir wollen deshalb eine Lösung im Interesse aller. Das Rauchverbot im öffentlichen Raum steht natürlich. Der Gastro- nom soll aber selbst entscheiden können, ob geraucht wird oder nicht. Wer einen Raucherbereich haben will, soll das mit den ent- sprechenden Investitionen si- cherstellen. Dann kann jeder Gast selbst entscheiden, wo er sitzen will. Dazu haben wir den Jugend- schutz im Bereich der Prävention optimiert. Wir nehmen aber das aktuelle Volksbegehren durchaus ernst und treten dafür ein, dass es erstmals in der Zweiten Republik zu einer Änderung der Gesamt- verfassung kommt, wonach es ein Volksrecht geben soll, Volksinitia- tiven analog zur Schweiz zu natio- nalstaatlichen Fragen zu machen. Ab 900.000 Unterschriften sollte es zu einer verbindlichen Volksbe- fragung kommen. Ich hoffe, dass die Opposition zustimmt. Dann ist das Volk nicht mehr von diversen Politikentscheidungen abhängig. „Ja – ich denkemanchmal noch an Jörg Haider…“ Vizekanzler und FP-Chef Heinz-Christian Strache imgroßen„DasWien“- Interview. Der „blaue“ Spitzenpolitiker will keine neuen Steuern und verspricht die historische Aufarbeitung der Parteigeschichte. Vizekanzler Heinz-Christian Strache im Exklusivgespräch mit Harald Raffer („Das Wien“): „Meine Mutter hat keine 1200 Euro Pension….“ Fotos: Franz M. Haas

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