Das Wien - E-Book der aktuellen Ausgabe

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WIEN AKTUELL 24 Hinter dem Rücken der Pferde Fiaker sind seit dem 17. Jahrhundert inWien unterwegs. DerWiener Fiaker ist längst zumKulturgut ge- worden. Tierschützer wollen die Kutschen aus der Stadt verbannen. Die Fiaker wollen bleiben. Tierparadies. Die Pferde können sich auf großen Weiden voll und ganz entspannen D er Fiaker gehört zu Wien wie das Riesenrad und die Lipizzaner. Was heu- te als Touristenatteaktion unter- wegs ist, war im 17. Jahrhundert das Transportmittel für die, die es sich leisten konnten. Die ers- ten Taxis quasi. Seit dieser Zeit prägen Pferdekutschen Wiener Stadtbild. Die Kutscher selbst haben längst Legendestatus er- reicht. Die meisten sind stadt- bekannte Originale, die den Tou- risten mit Witz und einem auch manchmal morbiden Schmäh die Stadt erklären. Die unzäh- ligen Fiakerlieder huldigen der Zunft. Obwohl von diversen In- itiativen aus dem Umfeld des Tierschutzes immer wieder die Abschaffung des Fiaker-Gewer- bes gefordert wird, halten sich die Kutscher mit ihren Pferden tapfer auf den Straßen der Stadt. Johann Paul ist einer jener, die die Fiaker-Tradition in Wien hochhalten: „Als mein Großva- ter vor 50 Jahren in Wien Otta- kring sein Unternehmen vom einstigen Schwerlastfuhrwerk zu einem Fiakerunternehmen umstrukturierte, konnte er nicht ahnen, welche Vielzahl an Aufla- gen und Änderungen es im Fia- kergewerbe einmal geben wird. Was damals üblich war, ist heute undenkbar. Das beginnt bei der Anbindehaltung von unseren Pferden – die heute zum Glück verboten ist und geht weiter zu Scheibenbremsen auf allen un- seren Kutschen. Vor 50 Jahren hatten Autos noch keine Schei- benbremse und heute jeder Fiaker!“ stellt Johann Paul fest. Paul zählt zu den größten Fia- ker-Unternehmern des Landes. Ein Kutscher hat in Wien zahl- loser Gesetze und Richtlinien zu beachten: „Das Wiener Tier- schutzgesetz hat in den letzten Jahren eine starke Veränderung bei unseren Betriebsanlagen, Kutschen und Pferden gebracht. Das ist gut und richtig. Unter- nehmen, die hier in die Zukunft investiert haben und heute über Stallungen verfügen, die weit über den Tierschutz hinaus- gehen, werden in der Zukunft auch bestehen können. Unsere Pferde sind keine Betriebsmittel! Sie sind täglicher Partner un- serer geprüften Fiakerkutscher und das oft über viele Jahre. “ Für Ursula Chytracek, die nicht nur die größte Fiakerunter- nehmerin Wiens ist, sondern auch Wiener Fiakersprecherin, sind Tierschutz und Ihre Pfer- de das wichtigste. „Traditionen bewahren – heißt auch Traditi- onen weiterzuentwickeln. Die Zeit der einsamen Wölfe als Un- ternehmer ist vorbei. Gerade das Internet ist heute ein gro- ßer Multiplikator für gute und schlechte Nachrichten. Studien beweisen – mehr für schlechte! Daher haben sich einige Unter- nehmen zum Marketingverbund „Qualitätsfiaker Wien“ zusam- mengeschlossen und ergänzen sich gegenseitig. Hier ist nicht die Größe des Unternehmens ausschlaggebend, sondern die Einstellung zu diesem schönen Gewerbe. Ergänzungen wie Bie- tergemeinschaften bei großen Reiseveranstaltern, Einkaufsge- meinschaften bei Futtermittel und die konsequente Umset- zung von Tierschutzrelevanten Maßnahmen, wie den Pferden viel Zeit auf den Graskoppeln weit über das vorgeschriebene Maß hinaus zu ermöglichen, sind uns ein Herzensanliegen“, führt Manfred Rieger aus, der 1988 bei Johann Paul als Fiakerkutscher begann und heute zu den klei- neren Unternehmern zählt. „Das wichtigste für die Zukunft ist es, unseren Familien, eine langfristi- ge unternehmerische Perspekti- ve zu ermöglichen. Die nächste Generation an jungen Fiakern steht schon in den Startlöchern. Für die setzten wir uns ein!“ sind sich die Fiakerunternehmer Chy- tracek, Paul und Rieger einig. Verantwortungsvoll. Johann Paul kümmert sich rührend um seine Pferde und auch um die Touristen in Wien. FOTOS: beigestellt

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